Werden die Bulgaren nach Bulgarien zurückkehren? | Gespräch mit Damyan Pilkov

15.04.2026, vom Stonehard Team

Das Thema der Bulgaren im Ausland ist seit Jahren Teil der öffentlichen Diskussion. Über zwei Millionen Menschen haben das Land verlassen, um bessere Möglichkeiten, einen höheren Lebensstandard und eine klarere Perspektive für ihre Entwicklung zu suchen. Heute wird jedoch immer häufiger die umgekehrte Frage gestellt – ist es möglich, diesen Trend umzukehren und was würde einen Teil der ausgewanderten Bulgaren dazu bewegen, in ihre Heimat zurückzukehren?

Die Antwort ist nicht eindeutig, aber sie formt sich zunehmend um die Idee, dass die Entscheidung nicht zwischen „Bulgarien oder Ausland“ liegt, sondern darin, was jede Umgebung bieten kann und wie gute Praktiken übertragen und angepasst werden können. Genau in diese Richtung denkt auch der Unternehmer Damyan Pilkov – Gründer von Plan Bulgaria, einem Beratungsunternehmen, das sich an im Ausland ansässige Investoren richtet, die eine Geschäftsentwicklung im Land erwägen. Mehr über seine Initiative und die angebotenen Dienstleistungen können Sie hier erfahren. 

Sein persönlicher Weg zu dieser Sache führt über das Ausland. Nach seiner Ausbildung in Bulgarien zieht er nach Bordeaux – eine französische Stadt mit einem dynamischen internationalen Umfeld, die ihm die Möglichkeit gibt, Lebensweise und Denkweise in Westeuropa aus nächster Nähe zu beobachten. Dort stellt er sich die Frage: „Wie nehmen Ausländer uns Bulgaren im Ausland wahr?“

Seine Erfahrung zeigt, dass die Unterschiede weniger in den Fähigkeiten liegen als in der Umgebung. Nach seinen Beobachtungen sind die Westeuropäer „nicht klüger oder disziplinierter als wir“, arbeiten aber in Systemen, die ihre Entwicklung erfolgreicher fördern. Gleichzeitig ist das Leben im Ausland nicht frei von Herausforderungen – selbst bei guten Sprachkenntnissen spürt er Distanz und „diplomatische Ablehnung“ sowie ein gewisses Gefühl der Unsicherheit. Dieser Kontrast führt zur Erkenntnis, dass die Möglichkeiten in Bulgarien oft als selbstverständlich angesehen werden.

Die Gründe für die Emigration bleiben weitgehend wirtschaftlicher Natur. Über Jahre hinweg bietet das Land nicht genügend wettbewerbsfähige Bedingungen, und die Menschen suchen nicht nur nach besserer Bezahlung, sondern auch nach Anerkennung ihrer Arbeit. Dies schafft auch ein Paradoxon, das bis heute spürbar ist – Arbeitgeber klagen über Fachkräftemangel, während junge Menschen nicht genügend Chancen zur Verwirklichung sehen.

Trotzdem ist eine Veränderung allmählich zu beobachten. Immer mehr Bulgaren, die im Ausland leben, beginnen, wieder in das Land zu investieren – meist durch den Kauf von Immobilien oder die Gründung eines eigenen Unternehmens. Die Zeit rund um COVID-19 beschleunigt diesen Prozess zusätzlich, da viele ihre Prioritäten überdenken. Vor diesem Hintergrund wird das Land nicht nur als zugänglicher, sondern auch als freier und sicherer Lebens- und Arbeitsraum wahrgenommen.

Gleichzeitig leidet Bulgarien weiterhin unter einer unzureichenden internationalen Positionierung. Oft bleibt es mit negativen Stereotypen verbunden, trotz der realen Veränderungen in der Wirtschafts- und Geschäftsumgebung. Faktoren wie der Beitritt zum Schengen-Raum und die Einführung des Euro haben das Potenzial, dieses Image zu verbessern, aber eine wesentliche Rolle spielt auch die aktive Haltung der Bürger selbst.

Aus Sicht der Wirtschaft behält das Land zudem zahlreiche Wettbewerbsvorteile – darunter niedrige Steuern und ein flexibleres unternehmerisches Umfeld, insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Steuerlast in Westeuropa.

Nach Pilkov liegt der Schlüssel jedoch nicht nur in den Bedingungen, sondern auch in der Einstellung. „Es ist sehr wichtig, dass man seinen Enthusiasmus bewahrt und proaktiv ist“, sagt er und ergänzt, dass der Geschäftserfolg darin liegt, dem Kunden einen klaren Mehrwert zu bieten: „Biete eine Dienstleistung an, die auf höchstem Niveau ist, die beste auf dem Markt – und sie wird immer erfolgreich sein.“

Und doch bleibt die persönliche Entscheidung, wo man sein Leben aufbauen möchte, am wichtigsten. Unser Gast formuliert dieses innere Dilemma folgendermaßen: „Ich möchte reisen, aber ich möchte auch Wurzeln schlagen, hier in Bulgarien eine Familie gründen.“

Schließlich gibt es keine eindeutige Antwort auf die Frage „Werden die Bulgaren zurückkehren?“. Aber eines ist klar – die Bulgaren sind „fleißig und fähig“, und der Schlüssel zu ihrer Rückkehr liegt darin, eine Umgebung zu schaffen, die sie motiviert, ihre Arbeit respektiert und ihnen eine reale Perspektive bietet.

Für einen tieferen Einblick in das Thema sowie zu Fragen rund um Unternehmertum, den Aufbau eines erfolgreichen Geschäfts und persönliche Lektionen auf dem Weg können Sie das vollständige Interview mit Damyan Pilkov und Nikola Stoyanov hier verfolgen.

Die Experten von Stonehard PREMIER bereiten regelmäßig eigene Artikel und Analysen vor, die sich mit dem Markt für Neubauimmobilien und den Möglichkeiten für rentable Investitionen in diesem Geschäftssegment befassen.